Dies ist eine Projektseite über "Drücker, Drückerkolonnen und Haustürgeschäfte" der Mainhattan-Venus.
Es geht hierbei speziell um folgenden Themen:
- Was ist ein Drücker und was machen diese Personen?
- wie lebt ein "Drücker" in der "Drückerkolonne"?
- wer sind die "Hintermänner" der Drückerkolonnen?
- wie ist das "Haustürgeschäft" gesetzlich geregelt?
Ich war 1995/1996 selber mal ein "Drücker" und habe an der Haustür Abonnenten für Zeitschriften/Zeitungen und Videofilme gesucht.
Ich hatte gerade meine Ausbildung im 3. Lehrjahr abgebrochen und musste aus dem Lehrlingswohnheim ausziehen und mich auf Arbeitssuche begeben.
Aufgefallen ist mir dann eine Anzeige im Inserat, die etwa so lautete:
Produktionshelfer/Beifahrer gesucht, Unterkunft wird gestellt, sofort Bargeld möglich, bis zu 800 DM/Woche Verdienst...
Nach einem freundlichen Telefonanruf hatte ich noch am selben Tag ein Vorstellungsgespräch in einem Büro am Frankfurter Hauptbahnhof, zu dem ich mein Gepäck für die nächsten 14 Tage mitbringen sollte. In dem Gespräch wurde mir erzählt, das ich neue Kunden für Zeitschriften-Abos suchen würde. Dabei könnte ich viel Geld verdienen, wäre in ganz Deutschland unterwegs mit einem jungen netten Team und eventuell könnte man sogar den Führerschein machen.
Etwa eine Stunde später saß ich im Zug nach Bielefeld zu meinem neuen "Arbeitsplatz". Abends fand ich mich mit einer jungen Gruppe in einem Hotel wieder und mein Drückerleben fing an. Am ersten Tag ging ich noch mit meinem Kolonnenführer an die Tür und erschrak bei dem was ich da hörte und von nun an selber an der Tür sagte.
Was ist ein "Drücker" ?
Ein "Drücker" ist ein Verkäufer, der von Haustür zur Haustür geht und sein Produkt dem Kunden "aufdrückt". Dabei nutzen Drücker verschiedene Methoden um das Produkt an den Kunden zu bringen. Dabei unterscheidet sich der Drücker vom normalen Vertreter dadurch, dass er oft außerhalb der gesetzlichen Regelungen und meist ohne geltende Schutzbestimmungen nach dem Handelsvertreterrecht Vertragsabschlüsse erziehlt.
Jedoch arbeitet und handelt der Drücker dabei nicht vollkommen in seinem eigenen Interesse, sondern ist im Auftrag für ein Subunternehmen, in einer Drückerkolonne, unterwegs. Dieses Subunternehmen verkauft dann ein Produkt eines Unternehmens.
Diese Strategie ist das Ergebnis der Distributionspolitik der Unternehmen. In ihr werden die Kunden- und Vertragsakquisitionen (Anwerben von Kunden) rechtlich von ihrem Hauptgeschäft getrennt, indem sie an ein Subunternehmen abgegeben werden. Somit ist das Unternehmen für die Methoden der Kundenakquisition und dem Verhalten der Drückerkolonnen rechtlich nicht zuständig. Gerät dies zu sehr an die Öffentlichkeit, dann trennt sich das Unternehmen vom Subunternehmen/Drückerkolonne und gibt den Auftrag an ein anderes Subunternehmen/Drückerkolonne ab. Diese jedoch arbeitet manchmal mit den selben Methoden weiter, wie diejenigen zuvor, bis wieder alles an die Öffentlichkeit gerät.
Das Subunternehmen wird als "Drücker-Firma" bezeichnet, die ständig wechseln und ihren Firmennamen oder Firmensitz verändern. Diese Firmen haben eine strikte hierarchische Struktur und haben meist Drückerkolonnen, so das jede Kolonne einen Orgaleiter/Drückerchef hat, der die Kolonne leitet und mit dem die Provisionen abrechnet werden.